Leisetreter
17Feb/120

Die Wüsternrennmaus-Lärmempfindlichkeits-Erklärung

Schwerhörigkeiten werden meisten einen Fehler im Innenohr oder Mittelohr zugeordnet. Manchmal auch dem Hörnerv. Glaubt man jedoch einer Untersuchung der Ludwig-Maximilians-Universität in München, dann sind sehr häufig auch zentrale Veränderungen beteiligt.

Die Forscher haben die Hörzellen vom Wüstenrennmäusen analysiert. Dabei haben sie auf die Störanfälligkeit der Mäuse geachtet und das Alter der Tiere berücksichtigt. Ein Ergebnis der Studie war, dass die Mäuse mit zunehmendem Alter, trotz korrekter Hörfähigkeit, immer weniger in der Lage waren, Geräusche zu filtern. Die Münchner Forscher haben als Ursache für dieses Phänomen einen Mangel der Neurotransmitter Glutamat, Glycin und Gamma-Aminobuttersäure bei den Wüstennagern zugeschrieben.

Spannend ist nun die Frage, ob sich die Ergebnisse auch auf Menschen übertragen lassen. Neurobiologe Prof. Dr. Benedikt Grothe hält das für durchaus legitim. Auch ist er der Ansicht, dass sich mit dem Phänomen die sinkende Toleranz gegenüber Lärm mit zunehmendem Alter der Menschen zum Teil erklären lässt.

Eine medikamentöse Therapie ist auf Grundlage dieser neuen Erkenntnisse jedoch derzeit nicht denkbar. Die dafür notwendigen Medikamente würden Epilepsiepräparaten ähneln und mit Nebenwirkungen aufwarten, die denen einer Alterslärmempfindlichkeit deutlich überlegen sind.

Außerdem darf bei dieser Betrachtung nicht vernachlässigt werden, dass mit zunehmendem Alter die Wahrscheinlichkeit eines Hörverlustes immer wahrscheinlicher wird. Neuere Studien aus dem Jahr 2010 zeigen, dass 78% der schwerhörigen Menschen an einer Hochtonschwerhörigkeit leiden. Diese Schwerhörigkeit sorgt neben einem schlechteren Sprachverständnis in lärmvoller Umgebung dafür, dass tieffrequenter Lärm zwar gut gehört, Sprache jedoch nicht mehr richtig verstanden wird.

Die Ergebnisse der Ludwig-Maximilians-Universität zeigen unter Umständen, dass nicht nur Art und Größenordnung eines Hörverlustes, sondern auch das Alter des betroffenen Menschen und damit seine Lärmverarbeitungsfähigkeit für Sprachverständlichkeitsprobleme in lärmvoller Umgebung verantwortlich sind. Auch wenn Medikamente dagegen derzeit nicht in Sicht sind, so können moderne Hörgeräte die Probleme jedoch zu einem großen Teil korrigieren.

Das Bild der putzigen Nager stammt
von Baldur123 (via Wikimedia)

19Dez/110

Lautstärkeschwankungen im TV

Wer kennt das nicht: Der Wechsel des Fernsehprogramms bedeutet meist auch, dass die Lautstärke nachgeregelt werden muss. Und nicht nur dass: Spätestens mit Beginn der nächsten Werbeunterbrechung muss erneut reguliert werden, denn Werbung ist im deutschen TV beinahe durchgängig lauter als das laufende Programm.

Die Werbeindustrie brüllt ihre Botschaften seit Jahrzehnten marktschreierisch den möglichen Kunden entgegen. Alle Appelle an leiser produzierte Spots waren erfolglos: Die Regeln und Grenzen der Sender orientiertes sich an der maximalen Lautstärke des Werbespots. Dies führte dazu, dass die Spotproduzenten einfach mit der Grundlautstärke des Spots immer weiter nach oben gingen und damit den allgemeinen Laustärkeeindruck immer weiter verstärkten. Ganz ähnlich übrigens wie bei aktuellen Musikproduktionen.

Eine neue europäische Richtlinie soll nun Schluss damit machen. Diese orientiert sich nicht mehr an der maximalen Lautstärke des Programms, sondern am

veröffentlicht unter: Lautstärke, Schall, verstehen weiterlesen
23Apr/110

Chat im Grünen: Wie kommunizieren Pflanzen?

Wer mit Pflanzen spricht, wurde noch vor einigen Jahren oder Jahrzehnten belächelt. Heutzutage wissen die meisten: Durch Sprache oder Musik lässt sich das Gedeihen von Pflanzen tatsächlich positiv beeinflussen - auch wenn allzu lange Unterhaltungen mit dem Ficus Benjamini im Wohnzimmer auf Dauer zu Fehldiagnosen der Mitmenschen führen können.

Wissenschaftler interessiert nun auch zunehmend die echte Kommunikation von Pflanzen untereinander. Und sie haben erste Anzeichen dafür gefunden. Auf der Jahrestagung der American Association for the Advancement of Science (AAAS, Herausgeberin der Zeitschrift Science) ging es unter anderem um das Thema: Wie kommunizieren Pflanzen untereinander?

Die Ergebnisse erinnerten mich, das muss ich zugeben, an Szenen aus dem Film "Avatar". Pflanzen kommunizieren nämlich über die Wurzeln. Zwar ist der Empfang von Signalen noch nicht in Gänze geklärt, vermutet wird jedoch, dass der Austausch von Botenstoffen ein Vokabular bildet. Und damit die Grundlage für eine Kommunikation. Eine chemische Sprache, sozusagen.

Weitere Infos finden sich hier und hier.

American Association for the Advancement of Science
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18Mrz/110

Hörgeräte für Dummies: Grundlagen leicht verdaulich erklärt

Vor einiger Zeit stolperte ich über den Podcast OmegaTau von Markus Völter. Aus dem "kurz mal reinhören" wurden ausgedehnte Zuhörstunden auf längeren Autofahrten.

Seit ich mit dem Zuhören begann, habe ich viel gelernt. Über Evolution, über Seehunde, Wetter oder Zugvögel. Denn Markus Völter und Nora Ludewig befragen in ihren Hörepisoden Fachleute ganz unterschiedlicher Gebiete. Dabei bremsen sie die Experten immer wieder aus, bevor sie allzu sehr in ihr eigenes Fachlatein verfallen. Und sie fragen Dinge, die man sich selber auch fragen würde.

Neulich traute ich meinen Ohren kaum: Auf OmegaTau stand das Thema "Audiologie & Hörgeräte" als Podcast zum Download. Ein Bereich, in dem ich zu hause bin. Marcus Völter hatte André Steinbuß besucht, den Leiter der der Abteilung Forschung und Entwicklung von Siemens Hörgeräte in Erlangen. Und damit tat er einen Glücksgriff, denn André ist in der Lage, komplizierte Zusammenhänge einfach und sehr bildhaft zu erklären.

Heraus kam ein einstündiges Hörerlebnis, das man jedem ans Herz legen kann, der immer schon mal wissen wollte, wie Hören funktioniert, was Hören beeinträchtigt, wie Hörgeräte funktionieren und wie es in einem schalltoten Raum zugeht

Reinhörbefehl vom Leisetreter - das lohnt sich!